Kung Fu

Duoshan Ying Changquan


Kung Fu (Changquan) Unterrichtsprogramm von ChinaPowerMoves


Kung Fu verstehe ich als Sammelbegriff für die chinesischen Kampfkünste, obwohl dieser fachlich nicht ganz korrekt ist, da es sinngemäß „eine Meisterschaft durch harte Arbeit erringen“ bedeutet und somit auf viele Bereiche des Lebens angewendet werden kann.

Der Richtigere Begriff wäre „Kuoshu“ bzw. „Wushu“ was so viel wie (nationale) Kriegskunst heißt.

Da Wushu aber vom chinesischen Staat vereinnahmt wird und dieser die traditionellen Künste meiner Meinung nach „kastriert“ und auf einzelne Bereiche, meisst der „Formarbeit“ reduziert, nutze ich somit bewusst den Begriff „Kung Fu“.

Dies soll nicht heißen, dass Wushu Meister, welche ein abgeschlossenes Sportstudium im Fach „Wushu“ haben oder viele Jahre an staatlichen oder halbstaatlichen Kampfkunstschulen trainierten, nicht meine Hochachtung haben – im Gegenteil, aber es ist nicht mein Weg des Kung Fu.

Deshalb ist das  Graduierungsprogramm von ChinaPowerMoves auch nicht an irgendeiner „Wushu Organisation“ angelehnt, sondern es hat sich die letzten 10 Jahre so entwickelt.

Dies möchte ich kurz erklären und vorab sagen, dass folgendes meine persönliche Meinung ist, somit subjektiv und wahrscheinlich nicht zu verallgemeinern, aber eben MEINE Erfahrungen und NOCHMAL, die sportlichen Leistungen der Vertreter der Wushu Bewegung meine vollste Hochachtung haben.

Prüfungsprogramme selbiger, wie ich sie kennengelernt habe beruhen darauf mit steigender Graduierung immer mehr Formen zu erlernen, welche immer mehr und auch immer anspruchsvollere akrobatische Elemente haben.

Der kämpferische Aspekt beschränkt sich oft darauf Anwendungsbeispiele „Application“ einzelner Figuren der Formen zu erklären. Dies gilt vor allem für die Nord Stile.

Wenn wir davon ausgehen dass die Menschen in der heutigen Zeit Gelenkschäden (Wirbelsäule, Knie, Hüfte usw.) nicht durch den Kick eines Angreifers, sondern viel wahrscheinlicher durch fehlende Bewegung und daraus resultierendem Übergewicht bekommen und wir um ein Vieles wahrscheinlicher am Herzinfarkt als im Kampf sterben, sind die obigen Trainingsinhalte mehr als verständlich, anderseits sind die Kung Fu Stile KAMPFkünste und es ist wohl auch nicht falsch nach Trainingsinhalten zu arbeiten, die in erster Linie die Entwicklung der kämpferischen Fähigkeiten haben.

Da dies auch die Wushu Bewegung erkannt hat, gibt es dort eine Sanda Sektion, die hoffentlich in Deutschland in den nächsten Jahren aus den Kinderschuhen tritt. Interessant ist hier in Zukunft zu beobachten, ob Diese eigene Wege geht oder Teil des traditionellen Kung Fu bleibt.

 

Das Chanquan zählt zu den nördlichen Stilen und wohl zu den ältesten Kung Fu Stilen überhaupt. Aus der „langen Faust zu boxen“ entstanden unzählige regionale, sowie Familienstile deren Ursprünge kaum zurückzuverfolgen sind. In jüngster Zeit wurden einige Formen standartisiert.

Wie die Formen standartisiert wurden, wichen Kampftechniken wie Kampfstrategien, die ich kennenlernte bei den einzelnen Meistern stark ab.

Auch wenn das Changquan immer durch Sprünge, schnelle Schritte und Stellungswechsel beschrieben wird, galt dies bei den mir bekannten Richtungen im wesentlichen für den Angriff und nicht für die Verteidigung. Richtungswechsel nach 45 Grad gibt es praktisch nicht. Angriffe enden meißt im „Gong Bu“ und wirken dadurch sehr statisch.

 

Ich kam bei meinem ersten Chinaaufenthalt 2003 mit dem Changquan in Berührung. Mein Meister nutzte es als Aufwärmtraining für den eigentlichen Xingyi Quan Unterricht wegen dem ich an der Schule war.

Mir gefielen die klar strukturierten Bewegungen die in Ausführung, sowie Anzahl übersichtlich waren. So nahm ich in meiner freien Zeit noch am Changquan Unterricht teil.

Zu dieser Zeit hatte ich eine Kinder Kung Fu Gruppe im Wing Chun Kung Fu nach Lo Man Kam. Diese tümpelte so vor sich hin, während die Erwachsenen Wing Chun Gruppe ansehnliche Mitgliederzahlen aufwies.

Aus vielerlei Gründen kehrte ich dann dem Wing Chun den Rücken, löste, außer zwei Privatschülern, die Erwachsenen Gruppe auf und führte in der Kinder Gruppe das Changquan ein. Der Erfolg war beeindruckend, die Gruppe explodierte und es wurden bis zum heutigen Tag fünf Gruppen.

Dies hieß aber auch sich weiter zu bilden und ich nahm wohl jede Möglichkeit wahr in Deutschland, Österreich und Frankreich an Seminaren teil zu nehmen. Mit mäßigem Erfolg. Kung Fu als Fitnesstraining mit wohlgemerkt intensiven Vorübungen, Formenarbeit, Dehnung aber wenig Kampf und wenn dann nur Anwendungsbeispiele aus den Formen.

Meine letzte Hoffnung 2006 an der Martial Arts Academy Yantai. Bei meinem alten Xingyi Lehrer belegte ich 50 Prozent Xingyi, 50 Prozent Changquan Stunden. Es half mir etwas weiter, aber leider war es nicht der logische Aufbau den ich vom Xingyi oder auch von meiner Wing Chun Zeit kannte, der logisches Step by Step Training zur Entwicklung der kämpferischen Fähigkeiten hatte.

Aufbauend auf das Erlernte entwickelte sich bis zum heutigen Tag ein Unterrichtsprogramm, welches meiner Meinung nach, einer KAMPFkunst gerecht wird. Also zum Ziel hat, eine Nonverbale Auseinandersetzung mit einem oder mehreren Angreifern siegreich zu beenden, ohne dabei den gesundheitlichen Aspekt, dem die chinesischen Kampfkünste einen wichtigen Stellenwert beimessen, zu vernachlässigen.

Eine Wettkampfgruppe für Formenwettkämpfe, wie für den Kontaktwettkampf Sanda / Lei Tai ist im Aufbau.

 

Es hat sich also im Laufe von 10 Jahren ein Changquan Übungsprogramm entwickelt, was versucht die verschiedenen Aspekte des Kung Fu, wie Gesundheit und der kämpferischeAspekt gleichermaßen, abzudecken.

Hier sind natürlich Erfahrungen, Strategien usw. aus anderen von mir praktizierten Stilen (Tai Chi, Xingyi, Bagua, Wing Chun) eingeflossen. Auch wenn Puristen jetzt natürlich sagen, dies sei kein klassisches Changquan mehr, ist es die Basis. Meiner Meinung nach ist die oben erwähnte Entwicklung eine logische, sowie erstrebenswerte.

Bisher kam ich immer etwas in Erklärungsnot. Dies ging so weit, dass ich noch südliche Formen in den Unterricht einbaute, was natürlich destruktiv war.

Ermutigt durch einen meiner Kung Fu Lehrer, der sagte: „Lass Dich nicht von einem System fesseln, sondern nutze es für Dich“, ist dieses Ausbildungssystem genau so entstanden.

Es ist kein Größenwahn, sondern mehr als fair und ehrlich zu erklären dass es bestimmte Dinge gibt, welche auf andere Systeme zurückgehen und sich Diese so und so bei mir entwickelt haben. Die Basis bildet das Changquan und ich nenne es hiermit

 

Duoshan Ying Changquan

 

Was soviel heißt wie „Die lange Faust weicht zuerst aus, um zu siegen“ und erklärt somit die Abweichungen vom klassischen Changquan meiner Meinung nach perfekt.

Ich möchte nochmals betonen, das Übungsprogramm ist nicht am Reißbrett entstanden, sondern es hat sich aus der Basis des Changquan mit anderen von mir praktizierten Kung Fu Stilen in hunderten und aberhunderten Übungs- und Sparringstunden so entwickelt.